Für viele Beziehungen ist schon Geld ein absolutes Tabuthema und Streitpunkt, den es zu überwinden gilt, bevor man den Bund für’s Leben schließt. Schmeißt man nun das Thema Ehevertrag mit in den Ring denken viele gleich, der Partner will ihnen ein Schnippchen schlagen. Warum es sich aber vor allem in Doppelverdiener-Haushalten lohnt einen Ehevertrag abzuschließen und dieser Akt gar nicht so unromantisch ist wie man meinen könnte, erläutern wir in diesem Artikel.

Wenn die Zeit im Leben gekommen ist, dass man sich über das Thema Ehe Gedanken macht, dann ist das eine sehr schöne Zeit. Man genießt die schöne Beziehung, bereitet sich auf ein spannendes Fest vor und plant die gemeinsame Zukunft. Doch wenn man zwei Leben zusammen bringt, dann hängt dem auch ein finanzieller Rattenschwanz an. Wenn man dann durch diese Diskussionen durch ist wollen sich die wenigsten mit der Frage beschäftigen: “Wie lösen wir das ganze wieder, wenn es doch zu einer Scheidung kommt? Oder gar zum Tod eines Partners?”

Klar, diese Fragen sind nicht sexy! Es lohnt sich aber, sich mit diesen zu beschäftigen – finanziell und emotional! Daher teilen wir mit euch unsere Argumentation für einen Ehevertrag.

Hypothetische Scheidung im Guten

Natürlich will man sich am Anfang einer Ehe nicht gleich Gedanken um das Ende machen. Allerdings war für uns der Gedanke der Regelung dieses Aktes vor der Ehe ein ganz einfacher: Ich treffe heute, zu einem Zeitpunkt an dem ich meinen Partner vollkommen liebe, respektiere und mag faire Regelungen. Man ist hier noch völlig unvoreingenommen von Reibereien und Streitigkeiten, die während einer Ehe und vor allem am Ende davon aufkommen können. Mit einem Ehevertrag sichern wir uns eine potentielle Scheidung zu Konditionen, die von beidseitigem Respekt geprägt sind. Sollte dieser Vertrag zur Anwendung kommen können wir mit weniger Aufwand und ohne rechtlichen Rosenkrieg auseinander gehen.

Niedriger Streitwert – niedrige Kosten

Zum Zeitpunkt der Eheschließung ist man in der Regel wesentlich unvermögender als Jahre später. Was man sich hier vor Augen halten sollte, ist dass im Falle einer Scheidung immer der Streitwert die rechtlichen Kosten bestimmt. Trifft man also im Vorhinein die Vorkehrungen eines Ehevertrages, dann kann man sich spätere Kosten sparen. Ein Ehevertrag am Anfang des Berufslebens ist bedeutend günstiger als eine Scheidung vor Gericht auszutragen. Und natürlich sind wir bei Magnetic Money stets motiviert die Kosten zu optimieren ;)

Kombination mit Erbvertrag

Ein wichtiger Grund für uns einen Ehevertrag abzuschließen, war dass dieser auch mit einem Erbvertrag kombinierbar ist. Hierin kann man verschiedenste Szenarien abdecken um sicher zu gehen, dass alles so läuft wie man das selbst möchte. Die Staatlichen Regelungen im Erbrecht sind nämlich nicht immer mit der Realität kompatibel. So bestünde die Möglichkeit, dass bei einem kinderlosen Paar absurde Probleme bei Erbfällen auftreten könnten. Zum Beispiel: Eltern von Partner 1 Sterben und hinterlassen Partner 1 und seinem Bruder jeweils die Hälfte von einem Haus, in dem der Bruder einzieht und Mietfrei lebt. Nun Stirbt Partner 1 und die hälfte des Hauses fällt an Partner 2. Als Partner 2 kurz danach ebenfalls verstirbt tritt seine Schwester das Erbe an und möchte nun die Hälfte des Hauses zu Geld machen. In diesem Fall muss nun der Bruder von Partner 1 sein eigenes Elternhaus von der Schwester von Partner 2 zurück kaufen…

Dies ist einer der Konstrukte, die wir im Ehevertrag versucht haben auszuhebeln. Auch kann man hier Dine wie eine Pflichtteilstrafklausel einarbeiten, die dafür sorgt, dass im Todesfall eines Partners nicht gleich alle Pflichterben angekrochen kommen und direkt ihren Pflichtteil fordern. Dies kann bei geringer Liquidität (zum Beispiel kurz nach einem Hauskauf) dazu führen, dass man wenig liquide Investments auflösen muss um die Pflichtteile auszubezahlen.

Modifizierter Zugewinnausgleich

Wenn beide Partner ohne signifikantes Vermögen und ohne potentielle Erbschaften in Aussicht eine Ehe eingehen, dann kann man sich die Frage stellen, ob nicht die gesetzlichen Regelungen ausreichen. Herrschen aber ungleiche Verhältnisse oder gibt es gewisses Vermögen in den jeweiligen Familien, dann kann eine modifizierte Zugewinngemeinschaft sinnvoll sein. Zwar sind vorhergehendes Vermögen sowie Erbschaften und Schenkungen automatisch vom Zugewinn ausgenommen, deren Wertzuwachs jedoch nicht. Bringt also jemand ein Haus in die Ehe ein, dann gehört ihm das Haus auch nach der Scheidung. Hat sich das Haus während der Ehe jedoch im Wert verdoppelt, so bekommt der andere Ehepartner die Hälfte dieses Gewinns zugesprochen. Gleiches gilt für den Wertzuwachs von Aktiendepots, Erbschaften, Unternehmen etc. Dies kann man mit einer modifizierten Zugewinngemeinschaft ganz elegant aushebeln.

Vorsorgeausgleich und Unterhalt

Auch bei der Regelung von Vorsorge und Unterhalt kann man im Ehevertrag Vorkehrungen treffen. In einer regulären Ehe würden die Rentenanwartschaften zum Beispiel aufgeteilt werden. Wenn ein Partner jedoch selbständig ist und darauf verzichtet in die Rentenkasse einzuzahlen, dann ist ein solcher Ausgleich gegebenenfalls unfair. Auch bei der Regelung zum Unterhalt kann man sich gegen Situationen wappnen, die zu unfairen finanziellen Verhältnissen führen könnten. Hier ist es jedoch wichtig im Auge zu behalten, das im Scheidungsfall ein Gericht diese Klauseln auf ihre Gerechtigkeit im angewendeten Fall prüft.

Im Grunde genommen ist es für uns wichtig gewesen unsere Ehe bei voller Transparenz zu beginnen und eine eventuelle Scheidung vorweg im Guten zu regeln. Auch kann eine Kinderlose Ehe bei dem Tod eines Partners in einem erbrechtlichen Fiasko enden, wenn man hier keine Regelungen trifft. Wir würden jedem Paar, dass sich von einem dieser Punkte angesprochen fühlt empfehlen, sich mit dem Thema auseinander zu setzen. Es gibt noch viel mehr, was in einem Ehe- und Erbvertrag geklärt werden kann und man ist danach um einiges schlauer.

Klar, der Prozess war nicht super angenehm und auch nicht sonderlich romantisch. Jetzt starten wir aber sorgenfrei in eine tolle Ehe und haben in Hinblick auf Scheidungs- oder Erbfälle einen Haufen Geld gespart.