Bei dem Aufbau eines Vermögens enthält fast jede Strategie das Wort „Diversifizierung“. Doch trotzdem laufen wir immer wieder in ungeahnte Fallen, die genau diesen Schutzmechanismus aushebeln können. Worauf du bei deiner Investitionstätigkeit achten solltest und 3 versteckte Klumpenrisiken verraten wir dir in diesem Artikel.

Diversifizierung als Kernkriterium 

Egal ob du in Einzelaktien, Investmentfonds, oder wie wir in ETFs investierst, du wirst dich immer wieder mit dem Thema der Diversifizierung beschäftigen. Um Risiko und Chance in Einklang zu bringen verteilt ein vernünftiger Investor sein Geld über verschiedene Werte. Damit soll im Falle eines Ausfalls der Verlust mit den anderen erfolgreichen Investments abgefangen werden. Anfangs bedeutet dies vielleicht bei der Anlage in Aktien sein Geld auf 5 Werte statt nur einen zu verteilen. Fortgeschrittene Investoren mischen ihrem Anlagenmix dann vielleicht noch Rohstoffe wie Gold, P2P-Kredite oder Anleihen hinzu. So schützt man sich vor größeren Verlusten und sichert sich weiterhin Chancen auf gute Renditen.

Nun ist es aber so, dass wir immer wieder Fälle in unserem Umkreis sehen, bei denen Klumpenrisiken eingegangen werden, die für uns nach einer durchdachten Anlagestrategie nicht vertretbar sind. Oftmals werden diese unter dem Argument der Diversifizierung getätigt, jedoch verursachen sie mehr oder minder starke Klumpenrisiken, die im Extremfall zu großen Verlusten führen können. Daher beleuchten wir hier drei Klumpenrisiken, die wir versuchen zu vermeiden

1. Das Eigenheim

Uns ist es durchaus bewusst, dass wir es mit diesem Thema auch immer wieder mit einer gewissen Glaubensfrage zu tun haben. Die Verfechter des Themas Eigenheim verteidigen dieses als Investmentobjekt vehement und sind davon kaum abzubringen.  Allerdings darf es auch nicht ungesagt bleiben, dass ein Eigenheim eine Konsumentscheidung ist, wenn man nicht ein Vielfaches des Immobilienwertes in anderen Assetklassen besitzt. (Dieses Thema beleuchten wir jedoch näher in unserem Artikel „Immobilie mieten oder kaufen?“)

Wenn ich als Mitte-30-Normalo ein Eigenheim im Wert von 300.000 Euro besitze (beziehungsweise abbezahle) und ein Depot in Höhe von 100.000 Euro, dann ist mein Haus mit einem Anteil von 75% meines Gesamtvermögens stark übergewichtet. Für mich unterscheidet sich das nicht viel von einem Depot, in dem ich 75% Amazon Aktien halte. Klar, Immobilien (wie auch die Amazon Aktie) haben sich über die letzten Jahre (und Jahrzehnte) hervorragend entwickelt. Es besteht jedoch immer das Risiko, dass diese Wertentwicklung sich auch mal umkehrt. Und bei einer Umkehr kann ich mit Aktien sogar schneller reagieren und diese verkaufen.

Nutze ich mein Eigenheim als Altersvorsorge und die Immobilienblase platzt zum falschen Zeitpunkt, dann ist davon nicht nur der enorme Posten in meinem Portfolio betroffen, ein Haus ist auch extrem illiquide.

Natürlich haben eigene vier Wände auch ihre Vorteile. Man sollte sich nur des enormen Klumpenrisikos bewusst sein, wenn man eine solche Konsumentscheidung trifft. Es gibt selten den Fall, in dem das Investment in eine selbst zu bewohnende Immobilie einen sinnvollen Businesscase ergibt.

2. Mitarbeiteraktien

Diese Programme habe ich schon bei vielen Unternehmen mitbekommen, für die ich gearbeitet habe. Immer wieder bieten börsennotierte Unternehmen innerhalb von verschiedenen Programmen die Möglichkeit an günstige Mitarbeiteraktien zu kommen. Auch habe ich schon oft erlebt, wie Kollegen auch selbst zu günstigen Zeitpunkten Aktien vom eigenen Arbeitgeber kaufen.

Klar – man kennt das Geschäft, glaubt an die Strategie und sieht das Wachstumspotential. Auch emotional ist man in gewissem Maße an den Konzern gebunden. Hier ist jedoch eine gewisse Vorsicht geboten.

Wenn ich mein Gehalt aus einer gewissen Quelle beziehe, in diesem Fall einem regulären Gehalt, dann ist mein Einkommen stark davon dominiert. Arbeite ich also bei dem oben genannten Beispiel Amazon, so ist mein Gehalt als „Klumpen“ von Amazon abhängig. Nun mag die Entwicklung von Amazon Aktien verlockend sein, mit jedem Kauf von solchen Aktien mache ich mich jedoch stärker abhängig von der Performance eines Unternehmens.

Lege ich alle meine Eier in ein Körbchen, so könnte ich bei einer schlechten Performance meines Arbeitgebers so sowohl mein Gehalt bei Jobverlust verlieren sowie mein Depot signifikant entwerten.

Wenn Mitarbeiteraktien reduziert angeboten werden, dann ist diese zu Kaufen keine dumme Entscheidung. Entscheidend ist jedoch die Gewichtung. Daher würde ich niemandem Empfehlen größere Positionen des eigenen Arbeitgebers im Depot aufzubauen. Auch bedacht werden sollte bei Investments die Branche des eigenen Arbeitgebers. Arbeite ich zum Beispiel im Tourismussegment macht es eventuell wenig Sinn Aktien von Airlines, Reisebüros oder Kreuzfahrtunternehmen zu halten. Branchenrisiken können auch ein Klumpenrisiko darstellen, denn haben Außeneinflüsse Effekte auf eine gesamte Branche (z.B. die Coronakrise), so werden sämtliche Einkünfte und Vermögenswerte aus dieser Branche an Wert einbüßen.

3. Der Home-Bias

Ein drittes Klumpenrisiko, welches wir immer wieder beobachten, ist der Hang dazu sich auf Investmentvehikel aus der eigenen Region zu beschränken. In vielen Fällen mag dies sinnvoll sein, so zum Beispiel bei der Investition in Mietimmobilien in eigener Verwaltung. Allerdings gibt es wenige Gründe dafür sich auf Aktien oder ETFs aus der eigenen Region zu beschränken. Als in Deutschland wohnhafte Person haben viele regionale Faktoren Einfluss auf meine finanzielle Situation. Unter anderem hat die deutsche Konjunktur in gewissem Maße auch Einfluss auf meine Arbeitsplatzsicherheit, Steuerlast, Sozialabgaben etc.

Natürlich ist es kein großes Klumpenrisiko sich an in Deutschland ansässigen Unternehmen zu beteiligen. Diese sind ja auch meist international aktiv und verdienen oft das meiste Geld tatsächlich im Ausland. Jedoch sollte ein Portfolio sowohl branchentechnisch als auch geografisch diversifiziert sein. Dies sichert uns eine Beteiligung an den Gewinnen sämtlicher Volkswirtschaften weltweit, die auch oftmals höhere Wachstumsraten aufweisen können als die im eigenen Land. Auch streut man so das Risiko von Ausfällen durch regionale Krisen.

Im Grunde sollte man sich schlicht dem Home-Bias bewusst sein, da man auch in der Regel besser über heimische Unternehmen und die heimische Wirtschaft informiert ist als über die im Ausland.

Diversifizierung ist mehr als nur die prozentuale Verteilung von Werten im Depot

Wenn wir ein solides Investmentportfolio aufbauen wollen, so müssen wir stets unser Gesamtvermögen im Blick behalten. Habe ich proportional zu viel Bargeld? Liegt ein alter Sparbrief bei der Bank, der schlecht verzinst wird aber viel Cash innehält? Wie stark schränke ich meine Liquidität mit einem Investment ein? Könnten gewisse wirtschaftliche Situationen zu übergreifenden Verlusten in meinen Investments führen?

Beschäftigen wir uns stets mit diesen Fragen und denken wir etwas über den Tellerrand hinaus, so mittigeren wir gleichzeitig unser Chancen-Risiko-Profil und sorgen für einen optimalen Einsatz unseres Kapitals.