Schon seit Jahren gibt es für Politik, Aufsichtsräte und in einigen Unternehmen Frauenquoten. Aber was bringt diese Quote Frauen, welche Tücken hat sie und benachteiligt sie Männer? Dies ist eine Diskussion, die es sich lohnt auszutragen!

Das letzte Jahrhundert war für uns Frauen geprägt von vielen Vorstößen in die Richtung der Gleichbehandlung. Frauen dürfen (zumindest in entwickelten Ländern) wählen, sämtliche Berufe ausüben, Wehrdienst leisten und im Grundsatz ist in Industrienationen auf dem Papier die Gleichberechtigung erreicht!

Ich als (kinderlose) Frau in Deutschland muss sagen – ich fühle mich keinesfalls benachteiligt. Ich genieße die selben Rechte und Pflichten wie meine männlichen Counterparts. Auch erhalte ich die selbe Vergütung, ich habe dieselben beruflichen Perspektiven, vielleicht sogar bessere. Denn es ist kein Geheimnis, dass die Förderung von Frauen in Unternehmen eine gesellschaftliche Entwicklung der letzten Jahre ist.

Und gerade da hat es angefangen mir die letzten Jahre sauer aufzustoßen. Denn dass ich als Frau das eine oder andere Mal einem Mann vorgezogen wurde, wenn es um eine berufliche Entwicklung ging, ist auch den Männern in meiner Umgebung nicht entgangen. Es sei dahin gestellt, ob dies wirklich auf Basis des Geschlechtes entschieden wurde. Jedoch ist es mir schon mehrfach widerfahren, dass meine Erfolge von Männern offen auf mein Geschlecht zurückgeführt wurden.

Daher stelle ich mir schon länger die Frage: ist die Frauenquote wirklich der Segen, auf den wir Frauen alle gewartet haben oder kostet sie uns unsere Legitimität?

Klar, die Vorteile machen sich bemerkbar

Im Kontext unserer Seite versuchen wir verschiedene Perspektiven zu beleuchten, die uns dabei unterstützen unser Einkommen zu maximieren. Was ich hier dann auch offen zugeben muss ist: ich kann mein Geschlecht kapitalisieren!

Dank all der Quoten, die aus den Management Ebenen nach unten kaskadieren, hat man als karriereorientierte Frau wenig Probleme ge- und befördert zu werden. Natürlich sind hier Qualifikation und Skillset wichtig, wenn aber ein Manager seine Quote erreichen muss um den nächsten Bonus sicher zu stellen, dann kann ich mir schon vorstellen, dass hierüber auch mal hinweggesehen wird.

Befinde ich mich in der komfortablen Position einen Job zu machen, der mir gefällt und mir ein Angebot gemacht wird mehr Verantwortung zu übernehmen, dann kann ich ohne zu bluffen hohe gehaltstechnische Anforderungen stellen. Im schlechtesten Fall bleibe ich auf dem bequemen Stuhl sitzen und warte das nächste Angebot ab. Im besten Fall habe ich einen guten Sprung gemacht, denn eine Frau zu befördern bringt in vielen großen Unternehmen “Bonuspunkte”.

Die Nachteile sieht man oft nur “unten”

Die bevorzugte Behandlung dank Frauenquote hat aber auch ihre Schattenseiten.

Es gab für mich persönlich kaum Situationen des beruflichen Erfolges, bei dem ich keinen Kommentar hören musste, nach dem ein Kollege diesen mit meinem Geschlecht rechtfertigt. Klar, diese Kollegen sind nicht die Norm und in den aller meisten Fällen wird man nicht auf sein Geschlecht reduziert. Trotzdem reicht ein Kommentar um einen bitteren Nachgeschmack zu hinterlassen und die Freude über den persönlichen Erfolg zu trüben.

Hinzu kommen die nicht enden wollenden Vorurteile, für die leider fast jeder schon Beispiele erlebt hat. In vielen Unternehmen, in denen ich bisher gearbeitet habe, habe ich die eine oder andere Beförderung einer “Quotenfrau” mitbekommen. Das klingt abwertend, soll es aber nicht zwingend sein. Bei diesen Fällen ging es unter anderem um Frauen, die durchaus qualifiziert waren, denen aber im Bewerbungsprozess ein noch besser qualifizierter Mann gegenüber stand. In wenigen Fällen habe ich auch mitbekommen wie völlig unqualifizierte Frauen in Führungspositionen befördert wurden.

Meine Sicht ist bisher auch nur die “von unten”, allerdings ist diese Sicht meiner Meinung nach wichtiger als viele glauben. Was nämlich diese Personalentscheidungen nach sich ziehen, ist meist auch eine Reaktion des Teams darunter. Bekommt man als Mitarbeiter jemanden vorgesetzt, der einen weder inspiriert, unterstützt, noch für gegenseitiges Vertrauen sorgt, dann ist das ein Produktivitätskiller. Wenn dann auch noch die persönliche oder fachliche Komponente fehlt, dann kreiert das reine Frustration. Das gilt auch für die Beförderung von ungeeigneten Männern, die mindestens genauso häufig vorkommen.

Der Unterschied zwischen der Beförderung von ungeeigneten Männern und ungeeigneten Frauen ist jedoch gravierend. Wenn ein Mann seine Aufgabe in den Sand setzt, dann ist er ein Idiot, unfähig oder ein schlechter Manager. Klar, ein hartes Urteil. Dem gegenüber steht aber das Versagen einer Frau, denn hierbei wird ihr Geschlecht aus meiner Erfahrung stark thematisiert und stigmatisiert. Der sublime Grund für ihr versagen ist ihre Emotionalität, Volatilität, die fehlende Fähigkeit harte Entscheidungen zu treffen – die oberflächliche Wahrnehmung ihrer Weiblichkeit.

Ich habe Angst um meine berufliche Legitimität

Wenn ich solche Situationen mitbekomme, dann gibt es zwei Dinge, die mich massiv stören: Zum einen finde ich es für ein Unternehmen absolut nicht nachhaltig, Beförderungen aus anderen Gründen auszusprechen als der fachlichen und beruflichen Qualifikation. Diversity ist auch ein wichtiger Faktor, doch das ist eine komplett andere Diskussion, die meiner Meinung nach weit über Geschlechter und Hautfarben hinaus geht.

Der zweite und für mich massiv wichtigere Punkt ist, dass ich Angst habe niemals ausschließlich für meine Leistung und Qualifikation wahrgenommen zu werden. Ich bekomme den Flurfunk oft genug mit und höre, wie über praktisch jede weibliche Beförderung gelästert wird. Es gibt nur wenige Frauen, die es schaffen den Respekt von allen Ebenen zu erlangen und das auch oftmals erst, nachdem sie sich auf der Stelle bewiesen haben. Natürlich gehört es dazu sich eine dicke Haut anzulegen und sich durchzusetzen. Allerdings scheinen Männer den eingebauten Vertrauensvorschuss inne zu haben.

Ich würde mir wünschen, dass dieses Problem aus den Kinderschuhen herauswächst und wir in der Arbeitswelt eine natürlich Balance von Geschlechtern, Charaktertypen und Ansichtsweisen finden.

Bis dahin fürchte ich aber trotzdem um meine Legitimität. Denn als Frau werde ich in der aktuellen Berufswelt nie sicher wissen, ob mein Erfolg das Ergebnis meiner Arbeit ist oder der Erfüllung einer Quote dient.