Wie gehe ich bei der Jobsuche am Besten vor? Und wie sichere ich mir ein möglichst hohes Gehalt? Habe ich darauf überhaupt Einfluss? In diesem Artikel geben wir Dir ein paar Tipps, wie Du auch im ersten Job viel rausholen kannst.

Für mich war nach dem Studium die Jobsuche eine absolute Black Box – ich hatte absolut keine Ahnung, wo ich mich realistisch bewerben sollte, wie viel Gehalt ich verlangen konnte und was für Optionen ich bei meiner Wahl hatte. Wenn ich heute meinem jüngeren Ich Tipps geben könnte, dann wären es diese.

Na klar, jeder hat was anderes studiert und daher auch unterschiedlich viele Einstiegsmöglichkeiten. Ein Lehramtsstudent begibt sich ins Referendariat, der Jurist in die Kanzlei, der Mediziner ins Krankenhaus. Aber bei fast jedem Studienfach haben die Absolventen oft mehr Optionen bei ihrer Jobsuche als sie denken und Quereinstiege werden immer beliebter. Denn während des Studiums hast Du in erster Linie gelernt selbständig Sachverhalte zu analysieren und zu bearbeiten. Diese Fähigkeit ist in der Regel das, was einen Uni-Absolventen auszeichnet. Daher solltest Du nicht davor zurückschrecken bei der Jobsuche etwas über den Tellerrand hinauszublicken um eventuell auch ein höheres Gehalt zu erzielen.

Tip 1: Suche Dir bei der Jobsuche die richtigen Branchen aus

Die Mittel, welche Du für Deine Vermögensbildung zur Verfügung hast werden nicht unwesentlich von Deinem Gehalt beeinflusst. Deswegen sollte es definitiv Teil Deines Bewerbungsplans sein, Gehaltstechnisch möglichst viel herauszuholen. Zwar denkt man sich vielleicht “Hauptsache erstmal ein Job, das Gehalt wird schon steigen”, allerdings bildet Dein Einstiegsgehalt auch die Basis für weitere Gehaltssteigerungen. Viele haben gar nicht auf dem Schirm wie unterschiedlich verschiedene Branchen dieselben Berufsbilder bezahlen. In manchen Branchen musst Du Jahre arbeiten um an das Gehaltsniveau eines Einstiegsgehaltes einer anderen Branche heranzukommen. Daher macht es sehr viel Sinn sich auch vor dem Berufseinstieg mit dem Gehaltsgefüge von unterschiedlichen Branchen auseinander zu setzen.

Zum einen solltest Du Branchen wählen, die zukunftsträchtig sind und Dir eine lange Karriere bescheren können. So sind zum Beispiel IT, Pharma, Beratung und Versicherungen sehr solide Arbeitgeber. Dem hingegen sind Automobilzulieferer, Stationärer Handel oder Tourismus sehr volatile Felder, die Krisenanfällig sind.

Zum anderen solltest Du auch Branchen favorisieren, die mit hohen Gewinnmargen arbeiten. Das bedeutet, dass von den Erlösen aus dem Verkauf von Produkten oder Dienstleistungen nach Abzug aller Kosten prozentual möglichst viel für das Unternehmen übrig bleibt. Margenstarke Unternehmen (z.B. Pharmakonzerne, Banken, IT) zahlen nämlich im Durchschnitt wesentlich besser als Margenschwache Unternehmen (z.B. Einzelhandel, Textilhandel).

Tip 2: Prüfe die Unternehmen auf ihre “Gesundheit”

Während eines Bewerbungsprozesses solltest Du Dich auch damit auseinander setzen, wie das Unternehmen wirtschaftlich aufgestellt ist. Sich bei einem großen Unternehmen zu bewerben welches aber kurz vor der Insolvenz steht kann dem eigenen Lebenslauf schaden und schnell dazu führen, dass man direkt weiter suchen muss.

Wer die Medien die letzten Jahre verfolgt hat wird auch zum Beispiel nach dem Dieselskandal die Entlassungswellen von einigen Automobilherstellern mitbekommen haben. Ich hatte eine Freundin, die gerade frisch ihren Arbeitsvertrag bei einem großen Automobilkonzern unterschrieben hatte, als wenige Tage später schon die betriebsbedingte Kündigung ins Haus flatterte, ohne das sie den Job überhaupt antreten konnte.

Solche Missgeschicke solltet Ihr versuchen zu verhindern. Daher würden wir Euch empfehlen die Pressemeldungen der letzten 6 Monate durchzugehen und den letzten Jahresabschlussbericht durchzublättern. An den Pressestimmen lässt sich ganz gut die Grundstimmung einschätzen, die zur Zeit in dem Unternehmen herrscht. Sind sie gerade sehr innovativ, steigern ihre Gewinne, machen positive Schlagzeilen? Oder jagt gerade ein Skandal den nächsten? Dies sollte auf jeden Fall in Deine Entscheidung einfließen.

Tip 3: Vorsicht bei kleinen und mittelständischen Unternehmen

Sehr verlockend war für mich auch der Mittelstand. In diesen Unternehmen hast Du oft noch sehr familiäre Strukturen, die Hierarchien sind flach und man bekommt sehr schnell viel Verantwortung. Für die persönliche Lernkurve sind diese Unternehmen wunderbar. Gerade im Mittelstand sind die Gehälter aber leider oft signifikant niedriger als bei großen Konzernen.

Hier solltest Du sehr vorsichtig abwägen, ob sich das für Dich eignet. Denn wie schon erwähnt bildet Dein Einstiegsgehalt die Grundlage für jede weitere Entwicklung. Entscheidest Du Dich für ein solches Unternehmen solltest Du definitiv hinterfragen welche Aufstiegschancen es gibt und auch direkt nach den Werdegängen von vorherigen Einsteigern fragen.

Tip 4: Suche nach Durchschnitts-Gehältern für den Job

Auf verschiedenen Plattformen wie zum Beispiel Glassdoor kannst Du Dir einen Eindruck darüber verschaffen, wie viel Geld andere in dem Job verdienen, auf den Du Dich bewerben möchtest. So bekommst Du ein umfassendes Bild davon, welche Gehälter hier gezahlt werden und was Du auf Nachfrage verlangen kannst. Diese Angaben sind aber mit Vorsicht zu genießen, denn sie können entweder weit über oder auch weit unter dem liegen, was Dir letztendlich angeboten wird.

Wenn Du die Möglichkeit hast kannst Du auch versuchen offen mit Studienkollegen, Freunden und Familie über Gehälter zu sprechen. Wir haben mit einigen Freunden schon häufiger offen über das Thema Gehalt gesprochen, um voneinander zu lernen und ein besseres Gefühl für unterschiedliche Arbeitgeber zu bekommen.

Tip 5: Gehaltsverhandlung ruhig angehen lassen und Optionen abwägen

Gerade beim Einstieg wirst Du wenig Spielraum haben Dein Gehalt zu verhandeln. Du hast noch keinen signifikanten Werdegang vorzuweisen und die Unternehmen können auf einen riesigen Bewerberpool zugreifen. Daher macht es eher Sinn sich möglichst viele Angebote einzuholen und sich dann für das Beste zu entscheiden. Denn fängst Du als Absolvent an mit HR ein Gehalt zu verhandeln kann das sehr schnell überheblich wirken und nach hinten losgehen.

Tip 6: Geld ist nicht alles

Natürlich predigen wir hier die Optimierung Deines Gehalts, Du musst aber in erster Linie den Job gerne machen. Ein hohes Gehalt bringt Dir nichts, wenn Du jeden Abend genervt von der Arbeit nach Hause kommst. Geld ist wichtig um Dein Leben und Deinen Vermögensaufbau zu finanzieren, man kann sich aber auch in einem weniger gut bezahlten Job viel ermöglichen. Wenn Du zum Beispiel in einem Start-Up anfängst und zunächst wenig verdienst, kannst Du mit Deinem Herzblut das Wachstum befördern und Dich entsprechend selbst verwirklichen. Wenn das Unternehmen Erfolgreich ist kommt das Geld später auch dazu. Einen Job der gut bezahlt ist, den Du aber nicht ausstehen kannst wirst Du langfristig nicht machen können, ohne Dein persönliches Glück zu gefährden.

Dies alles sind Überlegungen, die Du berücksichtigen solltest. Allerdings läuft vor allem beim ersten Job auch viel über das Bauchgefühl. Sollte also der erste Job nicht gleich die Kasse klingeln lassen ist das kein Untergang. Wirst Du aber doch besser bezahlt kannst Du schneller mit der Vermögensbildung anfangen.

Wie war eure erste Jobsuche? Habt ihr direkt euren Traumjob gefunden?