Natürlich musst Du dir nicht sämtliche Details zum Thema ETF aneignen, um erfolgreich Dein Geld darin anzulegen. Allerdings schadet es auch niemandem sich näher mit jeder Anlageform auseinander zu setzen, wenn man vorhat einen großen Teil seines Geldes darin anzulegen. Daher beschäftigen wir uns in diesem Artikel mit einer Kern-Kennzahl, die bei der Auswahl eines ETFs entscheidend sein kann – der Tracking Difference.

Der Hauptgrund, warum wir überwiegend in ETFs investieren und nicht in aktiv verwaltete Investmentfonds oder Einzelaktien ist die Kostenstruktur, die mit dieser Anlageform verbunden ist. Ein ETF bietet Dir in der Regel das beste Preis-Leistungsverhältnis im Vergleich zu anderen Investmentvehikeln. Aber auch hier ist Vorsicht geboten, denn ETF ist nicht gleich ETF. Daher beleuchten wir hier, wie du die Spreu vom Weizen trennen kannst.

Woher weißt Du, ob ein ETF gut verwaltet und in seiner Kostenstruktur günstig ist?

Die einfache Antwort lautet Tracking Difference (TD). Die Tracking Difference ist eine Kennzahl für Anleger, um zu beurteilen, ob sie auch das bekommen, wofür sie bezahlen. Als solche ist sie eine der meiner Meinung nach wichtigsten ETF-Metriken überhaupt, die es unbedingt zu berücksichtigen gilt.

Was ist die Tracking Difference?

Die meisten ETFs streben die Nachbildung eines Index an – was bedeutet, dass ETFs versuchen, die gleichen Renditen wie ein bestimmter Index zu erzielen. Die Tracking Difference ist die Abweichung zwischen der ETF-Performance und der Index-Performance.

Die Tracking Difference ist selten gleich Null: Das liegt daran, dass eine Reihe von Faktoren verhindern, dass der ETF seinen Index perfekt nachbildet. Die Renditen von ETFs folgen daher nicht immer ihrem Index; der Nachführungsunterschied kann klein oder groß, positiv oder negativ sein.

Der Tracking Error (TE) ist eine verwandte – aber von der Tracking Difference zu unterscheidende – Kennzahl. Beim Tracking Error geht es um Variabilität statt Performance.

Für die Mathematikaffinen unter euch: Die Variabilität wird normalerweise mittels der Standardabweichung gemessen. Der Tracking Error ist also die annualisierte Standardabweichung der täglichen Ertragsdifferenzen zwischen der Gesamtertragsleistung des Fonds und der Gesamtertragsleistung des zugrunde liegenden Index.

Laienhaft ausgedrückt, betrachtet der Tracking Error im Wesentlichen die Volatilität (Schwankung) in der Leistungsdifferenz zwischen dem ETF und seinem Index.

Welche Faktoren beeinflussen also, wie gut ein ETF seinen Index nachbildet?

Gesamtkostenquote (Total Expense Ratio, TER)

Die Gesamtkostenquote eines ETF ist der beste Einzelindikator für die zukünftige Tracking-Differenz. Wenn ein ETF 1% für die Nachbildung eines Index verlangt und wir für einen Moment alle anderen Variablen als konstant annehmen, dann sollte die Rendite des ETFs der Indexrendite um genau 1% nachstehen.

Der Total Expense Ratio ist zwar der wichtigste Einzelindikator für die künftige Differenz bei der Nachbildung, aber leider sind nicht alle anderen Variablen konstant – andere Faktoren spielen eine Rolle:

Transaktions- und Rebalancing-Kosten

Wenn ein Index seine Zusammensetzung neu ausbalanciert, ein neues Unternehmen hinzufügt oder ein Unternehmen herausnimmt, müssen die ETFs, die den Index verfolgen, ihre Wertpapierbestände anpassen, um den aktuellen Stand des Index widerzuspiegeln. Als solcher muss der ETF seine zugrunde liegenden Wertpapiere kaufen und verkaufen und die damit verbundenen Handelskosten tragen. Diese Kosten müssen mit dem Vermögen des Fonds bezahlt werden, was folglich die Tracking-Differenz erhöht.

Sampling

Manchmal ist es unverhältnismäßig, jedes Unternehmen in einem Index zu halten. Einige Indizes enthalten Tausende von Wertpapieren – von denen einige möglicherweise schwer zu einem fairen Preis zu erwerben sind. Anstatt die Transaktions- und Ausgleichskosten zu tragen, die mit dem Kauf und Verkauf jedes Wertpapiers in ihrem Index verbunden sind, entscheiden sich einige ETFs dafür, eine repräsentative Stichprobe zu halten. Die Sampling Methode wird vor allem bei der Abbildung von Indizes eingesetzt, bei denen erwartet wird, dass die Transaktionskosten für insbesondere die kleinen Werte im Index hoch sind. Folglich sollte das Sampling in aller Regel zu einer verbesserten Tracking-Differenz im Sinne des Anlegers führen.

Auszahlungsverzüge von Dividenden

Einige ETFs erhalten Dividendenausschüttungen aus den ihnen zugrunde liegenden Wertpapieren und schütten diese an die ETF-Aktionäre aus. ETFs schütten diese Dividenden jedoch nicht auf Echtzeitbasis aus, sondern sie tun dies periodisch.

Investmentmanager können sich dafür entscheiden, diese Dividenden vorübergehend zu reinvestieren, aber diese Reinvestitionen sind auch mit Kosten verbunden. Wenn der ETF einen Teil seines Portfolios in bar hält oder Reinvestitionstransaktionen durchführt, wird der ETF etwas andere Renditen erzielen als die vollständig investierte indexbedingte Nachführungsdifferenz.

Zeitverzug der Abbildung von Indizes

Wenn ein Index seine Komponenten neu gewichtet oder zusammensetzt, sind die Änderungen augenblicklich. Im Gegensatz dazu muss ein ETF, der den Index nachbildet, zunächst die Transaktionen durchführen, um sich neu am Index auszurichten. Während der Zeit, die für den Kauf und Verkauf der erforderlichen Wertpapiere benötigt wird, bewegen sich die Preise und erzeugen eine Nachführungsdifferenz zwischen dem Index und dem ETF.

Wertpapierleihe

Einige ETFs leihen die Wertpapiere in ihrem Portfolio gegen eine zu zahlende Gebühr aus. Dies schafft zusätzliche Einnahmen für den ETF, die über das hinausgehen, was im Index abgedeckt ist. Kurz gesagt, Erträge aus der Wertpapierleihe können dazu beitragen, die Kosten des ETFs zu senken und seine Tracking-Differenz zu verbessern.

Die Höhe der Einnahmen aus der Wertpapierleihe hängt von den geltenden Kapitalmarkt-Leihsätzen für diese Wertpapiere ab. Stark leerverkaufte Wertpapiere weisen in der Regel höhere Prämien auf und könnten beträchtliche Einnahmen aus der Wertpapierleihe generieren, während andere relativ unbedeutend sein können.

Zusammenfassung

Letztendlich beeinflussen viele Faktoren, wie gut ein ETF die Renditen seines zugrunde liegenden Index widerspiegelt. Als Anleger ist die Nachverfolgung der Tracking Difference unser bestes Instrument, um zu beurteilen, wie all diese Faktoren zusammenwirken, und letztlich zu beurteilen, wie gut der ETF sein Versprechen einhält. Achtet auf niedrige oder sogar positive Tracking-Differenzen, die über die Zeit relativ stabil sind. Eine gute Möglichkeit die Tracking Difference eines bestimmten ETFs nachzuschauen findet ihr hier. Der Total Expense Ratio stellt dagegen nur einen ersten Anhaltspunkt der tatsächlich durch Verwaltung entstehenden Kosten dar. Er sollte nicht als alleiniges Kriterium zur Auswahl eines ETFs herangezogen werden.