In diesem Artikel verschwinden wir etwas weiter in den technischen Tiefen der Funktionsweisen von ETFs. Diese Details helfen uns die Funktionsweise dieses Investmentvehikels zu verstehen und die Papiere besser einschätzen zu können. Bei der Betrachtung von Replikationsmethoden bei ETFs können wir bei der Zusammensetzung unserer Portfolios besser gewisse Risiken der Methoden abschätzen.

Die meisten ETFs haben das Ziel, die Performance eines Index nachzubilden. Sofern hierfür ein replizierender Ansatz gewählt wird, gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten dies abzubilden:

  • Vollständige Replikation: Kauf aller Wertpapiere, aus denen sich der Index zusammensetzt
  • Optimierte Replikation: Kauf der Wertpapiere in einem Index, die die repräsentativste Stichprobe des Index auf der Grundlage von Korrelationen, Exposition und Risiko darstellen

Wie funktionieren vollständige Replikation und die optimierte Replikation?

Anleger wollen, dass ihre ETFs genau die Rendite der Indizes liefern, die sie nachbilden. In einer idealen Welt liegt der Weg dazu auf der Hand: Halte jedes Wertpapier im Index, und zwar in genau derselben Gewichtung wie der Index. Dies wird vollständige Replikation genannt und ist üblich für große und liquide Indizes wie zum Beispiel den S&P 500.

Aber nicht alle Märkte sind so liquide wie der S&P 500 und einige Indizes enthalten tausende von Werten. Für ETFs, die solche Indizes in komplexeren oder weniger liquiden Marktbereichen nachbilden, ist eine vollständige Replikation möglicherweise nicht der beste Weg, um die Rendite des Index nachzubilden.

Bestes Beispiel hierfür ist ein Index für Schwellenländer mit tausenden von Werten, darunter auch viele Small-Cap-Unternehmen. Diese Small-Caps werden den Index nicht viel bewegen – im Vergleich zu Schwellenmarkt-Giganten wie Samsung oder Petrobras werden sie im Index nur eine sehr geringe Gewichtung haben. Trotz ihres vernachlässigbaren Einflusses auf den Index können diese Wertpapiere noch immer kostspielig in der Anschaffung sein. Bei der optimierenden Replikation müssen Manager entscheiden, ob die Kosten für den Erwerb des Wertpapiers den Tracking-Vorteil des Besitzes des Wertpapiers überwiegen. Anstatt das Risiko ganz zu vernachlässigen, könnten die Manager ein ähnliches aber weniger kostspieliges Wertpapier identifizieren, das eine hohe Korrelation mit dem Original aufweist.

Wenn die Reduzierung der Ausgaben (als Prozentsatz des Portfolios) größer ist als die Auswirkung des Wertpapiers auf den Index, wird der optimierende Manager bessere Erträge erzielen als dies bei einer vollständigen Replikationsstrategie der Fall gewesen wäre.

Diese Art der Replizierung bezeichnet man als Sampling. Eine Replizierung über Sampling spart zwar Kosten, ist aber mit Risiken verbunden: Je aggressiver ein Portfolio optimiert wird, desto stärker können dessen Erträge im Laufe der Zeit vom Index abweichen, entweder nach oben oder nach unten. Die meisten ETFs bilden ihre Indizes gut ab, aber es gibt Dutzende von Beispielen für Fonds, die ihre Benchmarks um einige Prozentpunkte oder mehr pro Jahr verfehlt haben. Schaut euch die historische Tracking Difference (TD) eines Fonds an, um einen Eindruck davon zu bekommen, wie gut der Fonds die Renditen des zugrunde liegenden Index liefert.

Wie seht ihr das? Würdet ihr grundsätzlich in ETFs mit optimierter Replikation investieren oder ausschließlich in vollständig replizierende ETFs?