“Verdiene 200 Euro pro Tag!”, “Wie jeder in 7 Jahren Millionär sein kann”… Solche Clickbait Titel springen mir ständig in den sozialen Medien provokant entgegen. Investment-Gurus propagieren sexy Trading-Strategien, mit denen jeder schnell zu viel Geld kommen kann. Ich hoffe uns ist allen klar, dass dies leere Versprechen sind. Allerdings ist das Thema Investment am Kapitalmarkt trotzdem hoch interessant, wenn man es mit der richtigen Einstellung und realistischen Erwartungen angeht. Doch was ist eine gesunde Einstellung zum Kapitalmarkt und wie kann ich meine Erwartungen realistisch setzen?

In der Themen-Sphäre des Vermögensaufbaus finden wir zahlreiche verschiedene Bücher, Blogs, Videos, die uns vermeintlich erklären wie wir mit einer einfachen Anlagestrategie schnell reich werden. Bei solchen Beiträgen sollte man aber immer kritisch hinterfragen, was das Motiv des Propagierenden ist.

Wenn jemand das magische Rezept zum Gelddrucken gefunden hat, wieso macht er sich damit nicht selber einfach stink reich? Wenn ich wüsste, wie man todsicher an der Börse unfassbar viel Geld verdient, würde ich keinen Blog schreiben, sondern mein todsicheres Börsengeld irgendwo unter der Sonne bei einem viel zu teuren Cocktail genießen.

Es ist unglaublich verlockend zu glauben, dass wir innerhalb kürzester Zeit mit dem richtigen Tipp den Börsen-Jackpot knacken könnten. Das weckt in uns allen den Zocker, man erlebt den Adrenalin-Stoß den so mancher Rentner bei der Lesung der Lottozahlen am Samstag durchmacht. Und natürlich besteht die Möglichkeit, dass Du zufällig mit deinem Investment das nächste Amazon findest oder zur richtigen Zeit Bitcoins gekauft hast. Aber auch hier stehen die Chancen 1:X-Millionen.

Wenn wir also an der Börse nachhaltig Geld verdienen wollen, müssen wir uns realistische Erwartungen zulegen. Denn Investieren ist eine kalkulierte Tätigkeit, die Chance und Risiko abwägt und darauf aus ist gute Renditen zu erzielen. Spekulation ist nichts anderes als Glücksspiel, bei dem nur sehr wenige langfristig gewinnen.

Was kann ich denn für realistische Renditen erwarten?

Der Grundgedanke von aktiven Investoren ist, dass sie glauben bessere Investmententscheidungen zu treffen als der Durchschnitt. Eine aktive Anlagestrategie hat das Ziel den Marktdurchschnitt nach Kosten zu schlagen. Genauer bedeutet das, wenn man die großen Indizes wie den MSCI World oder S&P 500 anschaut, dass ein aktiver Anleger jährlich eine Rendite von c.a. 6,5% erwirtschaften müsste, um besser zu sein als der Markt. Und das nach Kosten!

Selbst professionellen Fondsmanagern gelingt das auf die lange Bank oft nicht. Das zeigte sich bei einer für mich sehr amüsanten Wette zwischen Warren Buffet und dem Fondsmanager Ted Seides. Die beiden wetteten 2007 um 1 Millionen USD, dass Seides mit einem aktiv gemanagten Fonds mehr Gewinn erwirtschaften würde als Buffet mit einem stinknormalen ETF auf den S&P 500 Index. Das Ergebnis nach 10 Jahren fiel verheerend aus: Buffet hatte im Jahresdurschnitt 7,1% Gewinn mit seinem Investment gemacht, Seides nach Kosten gerade einmal 2,2%.

Ich frage mich persönlich, ob es nicht arrogant ist anzunehmen, dass man selbst als Teilzeitinvestor hier besser abschneiden will als die Profis?! Klar, aktives investieren macht mehr Spaß, gibt mir mehr Nervenkitzel, birgt größere Chancen. Aber im Durschnitt ist die Marktentwicklung der Benchmark, den ich realistisch auf Dauer nicht schlagen werde. Da gibt es keine schnelle Millionen zu holen.

Daher ist eine realistische Rendite am Kapitalmarkt für mich: 6-7% im Jahr über einen Zeitraum von 20 Jahren. Mit ETFs. Punkt.

Warum denken trotzdem so viele, dass aktive Portfolios am Kapitalmarkt besser perfomen?

Mein persönliches Lieblingsbeispiel ist das Argument Warren Buffet. Wie oft höre ich von Freunden: “Warren Buffet schafft auch am Kapitalmarkt Renditen in Höhe von 20-30% pro Jahr. Das ist Value Investing, das funktioniert”. Ja, Warren Buffet ist ein gewieftes Finanzgenie, das hervorragende Entscheidungen trifft. In den Anfangsjahren hatte er aber auch unfassbares Glück, großartigen Unternehmergeist und heute verwaltet er Milliarden! Mit seiner Investmentfirma Berkshire Hathaway bekommt er Deals, die für Normalsterbliche undenkbar sind. Wenn man die Kaufkraft hat ganze Unternehmen zu kaufen anstatt nur 0,00001%, dann sind die Möglichkeiten auch ganz andere. Und nebenbei bemerkt hat selbst Warren Buffet in den letzten Jahren den Markt nicht immer geschlagen.

Natürlich gibt es auch realistischere Investoren, die andere Strategien fahren. So zum Beispiel eine weitere beliebte Strategie: die Dividenden Strategie. Darin investiert man in Werte, die jährlich große Ausschüttungen an die Anleger tätigen um sich einen passiven Einkommensstrom zu generieren. Was viele nicht verstehen ist, dass auch passive Anlagen wie ETFs ebenso Dividenden ausschütten, wenn man hier die ausschüttende Form wählt.

Zudem kommt noch meine persönliche Meinung zu dividendenstarken Titeln: Wenn dieser Wert wirklich so zukunftsträchtig ist, wieso wird der Gewinn nicht refinanziert um das Wachstum weiter voran zu treiben? Da gibt es natürlich Ausnahmen bei den Cash-Cows wie Versicherungen oder Rückversicherern. Wenn ich mich nun aber wirklich für Investments interessiere, die langfristig auch Wachstum bringen sollen, warum sollten mich dann alteingesessene Großkonzerne interessieren, die keine Ahnung haben wohin sie ihre Gewinne investieren sollen?

Ob aktiv oder passiv – die richtige Einstellung zum Kapitalmarkt macht erfolgreich

Na klar, wir sind ETF-Überzeugungstäter und finden dafür natürlich mehr positive Worte. Genauso wird es mit aktiven Anlegern sein, deren Strategie durchaus Hand und Fuß haben mag. Für uns persönlich haben wir mit ETFs die perfekte Balance zwischen Chance und Risiko sowie ein geringes Investment an Zeit. Wie andere das machen, wollen wir euch nicht predigen – dafür gibt es andere, sehr gute Blogs wie zum Beispiel Dividendensparer oder DIY Investor.

Wenn ihr aber neu in der Welt der Vermögensbildung sein solltet überlegt euch bei der Wahl eurer Strategie:

  • Wie viel Zeit habe ich für dieses Projekt?
  • Habe ich genug Wissen zum Thema Aktien/Kapitalanlage?
  • Kann ich gewisse Risiken in Kauf nehmen?

Solltet Ihr wie wir außerhalb eurer Börsenaction eine andere Karriere anstreben oder bereits bestreiten, dann raten wir euch dazu, es so einfach wie möglich zu halten. Und befreit euch, wenn nicht schon geschehen, von der Illusion der schnellen Millionen am Kapitalmarkt.

Unser Vergleich Aktien vs. ETF diskutieren wir im nächsten Artikel.