In der letzten Woche ging es turbulent an der Börse zu und die großen Leitindizes gingen signifikant in die Knie. Alle haben Angst vor einem zweiten Corona Crash. Aber wie sollte ich als langfristig orientierter Anleger reagieren? Welche Nachteile hat diese Marktbewegung für meinen Vermögensaufbau? Und welche potentiellen Vorteile?

Wenn es um das eigene Geld geht, dann spielen zwei wichtige Faktoren eine große Rolle: Gier und Angst. Dazu gibt es sogar eine Marktkennzahl – den Fear and Greed Index. Vereinfacht unterstellt dieser, dass am Markt eine vorherrschende Emotion die Bewegungen in eine bestimmte Richtung treibt. Herrscht am Markt die Gier – das passiert wenn Preise kontinuierlich steigen – dann kann man oftmals weitere Aufwärtsbewegungen beobachten. Wird der Markt von Angst beherrscht, so drehen oftmals die Kurse gen Süden.

Der erste Corona Crash und die Erholung

Ein tolles Beispiel für dieses Phänomen war der erste Corona Crash, als im Februar und März die Indizes teils um 40% eingebrochen sind. Hier begann es mit ersten Abverkäufen nach dem die Angst vor einer Pandemie weiter stieg. Die Angst wurde weiter geschürt, als Tag für Tag die Börsen weiter ins rote Terrain rutschten – zum einen durch das Erreichen von Stop-Losses, zum anderen, weil viele ihre Verluste auch manuell eingrenzen wollten.

Doch was zunächst schien wie der Teilruin sämtlicher Börsianer wurde schnell wieder revidiert. Seit Ende März haben die Märkte teilweise sogar wieder über 50% gut gemacht und einige sogar neue Höchststände erreicht. Hier war die Gier an der Macht, einige sind spottbillig eingestiegen, andere sind auf den Zug mit aufgesprungen.

Die Kurse drehen wieder südlich

Nun haben wir nach einigen Wochen der Seitwärtsbewegungen in der vergangenen Woche einen herben Rückschlag erlebt. Die Märkte haben kräftig abgegeben und konnten sich noch nicht nachhaltig fangen.

Es kommt wieder Angst auf – die Angst vor einem zweiten Lockdown, die Angst vor Panikverkäufen, die grundlegende Angst Geld zu verlieren.

Was spricht für einen zweiten Corona Crash?

  • Einige Marktteilnehmer werden auch zu den Höchstständen einige Gewinne mitnehmen, da auch immer wieder von überbewerteten Kursen und besseren Einstiegen sinniert wird.
  • Insbesondere die Tech-Werte haben in den vergangenen Monaten enorme Rallys hingelegt. Klar, viele von ihnen profitieren von der beschleunigten Digitalisierung. Gerade wenn der Hype nachlässt, kann es schnell zu einer Korrektur kommen.
  • Die Fallzahlen von Corona steigen, was die Angst vor einem zweiten Lockdown und einer Einschränkung des öffentlichen Lebens nach sich zieht. Das schadet auch nachhaltig der Wirtschaft.
  • In Deutschland wurde die Insolvenzmeldepflicht nun bis Dezember ausgesetzt. Die Angst vor einer riesigen Pleitewelle, die im schlimmsten Fall später noch geballter kommt, erzeugt ebenfalls eine große Unsicherheit am Markt.
  • Die Wahlen in den USA im November sind auch ein Überraschungspaket für alle Beteiligten – wählen die Bürger in Übersee den narzisstischen Möchtegern-Diktator mit dem IQ eines Stockbrotes oder den scheintoten Intellektuellen, von dem man meinen könnte er wäre aus versehen im Wahlkampf gelandet, als er sich auf dem Weg zum Bingo-Abend verlaufen hat? Unsicherheit ist das Zündholz von negativen Reaktionen am Markt und dieser Faktor ist absolut nicht zu vernachlässigen.
  • Es sind noch eine Unmenge an Menschen in Kurzarbeit beschäftigt, was langfristig das Bruttoinlandsprodukt schädigt und die Kaufkraft schmälert. Auch dies könnte sich stark auf die Kapitalmärkte auswirken.

Was spricht gegen einen zweiten Corona Crash?

  • Anders als bei dem ersten Corona Crash wissen wir heute viel eher, womit wir es zu tun haben. Die Unsicherheit über die Auswirkungen des Virus sind nicht mehr ganz unklar.
  • Die Zentralbanken weltweit haben historische Hilfspakete geschnürt und Geld gedruckt als gäbe es kein Morgen mehr. Irgendwohin muss das Geld und vieles davon landet am Kapitalmarkt. Das könnte die Preise zumindest in gewissem Maße stabil halten.
  • Momentan sind auch die Zinsen weltweit auf Tiefstständen. Zum einen heißt das, dass es sich nicht wirklich lohnt herkömmliche Sparbriefe zu besparen, zum anderen, dass es billig Geld zu verteilen gibt. Auch das schwemmt den Kapitalmarkt.
  • Besonders vor den US-Wahlen wird Donald Trump extrem viel Wert auf eine positive Entwicklung an der Börse legen – sein Hauptargument ist ja schließlich die ökonomische Stärke, die er vermeintlich eigenhändig den Staaten beschert hat. Hier wird neben der politischen Hebel auch der eine oder andere Tweet kommen, um die Märkte anzuheizen.

Aber wie verhalte ich mich nun als passiver Anleger?

Egal ob Crash oder kein Crash – für uns als passive Investoren sollten wir eher die Chancen sehen, als uns um kurz- oder sogar mittelfristige Abwärtsbewegungen Sorgen zu machen. Ein Werkzeug, was einen Sparplan besonders mächtig macht, ist die Mittelung von Kursen.

Da wir monatlich Chargen von ETFs oder Aktien kaufen, profitieren wir langfristig von einem gemittelten Kurs. Kaufen wir zum Beispiel in einem Monat zum Höchststand ein und im nächsten zum Tiefststand, haben wir immer noch im Mittel nur den Kurs dazwischen bezahlt.

Wenn ihr in der komfortablen Position seid etwas Cash auf der Seite zu haben (was wir jedem Anleger langfristig empfehlen würden), dann könnt ihr die Dips nutzen, um verstärkt zu günstigen Kursen einzukaufen.
Die Märkte haben sich in der Vergangenheit und werden sich auch in Zukunft immer wieder erholen. Steigert ihr die Gewichtung eurer Käufe bei Tiefs, so ermöglicht ihr eine noch bessere Rendite über die Zeit.

Fazit: Nicht verzagen! Die Welt dreht sich weiter (und wenn nicht braucht ihr auch kein Depot mehr), die Börsen erholen sich und auch Corona ist irgendwann vorbei. Das schlechteste, was wir machen können ist auf Grund von negativen Entwicklungen Panik bekommen und auf den “Sell” Button drücken.

Aber was meint ihr zu dem Thema Corona Crash 2.0?